HISTORIE / HISTORY

Die Idee zum Solitude Revival hat ihren Ursprung in der überaus renommierten Geschichte der Solitude-Rennveranstaltungen, die vor über 100 Jahren begann.

Die Tradition der legendären Solitude-Rennen begann bereits im Jahr 1903 mit einem Bergsprint für Motorräder vom Stuttgarter Westbahnhof hinauf zum Schloss Solitude. Ein paar Jahre später wurde der Start zum Schützenhaus im Vorort Heslach verlegt. Bis 1924 wurde dann auf dieser Strecke alljährlich ein Bergrennen ausgetragen, ab 1922 auch mit Sport- und Rennwagen. Mercedes schickte von Beginn an alljährlich seine besten Rennwagen und Fahrer zur Solitude und bei BMW wählte man das bereits renommierte Rennen für den Ersteinsatz der neuen Rennmotorräder. 1925 gab es erstmals ein Rennen ‚Rund um die Solitude‘ über zirka 22 km Rundenlänge. Der Rundkurs galt als sehr anspruchsvoll und wurde mit der berühmten Targa Florio in Sizilien verglichen. Nun kamen auch immer mehr ausländische Fabrikate und Fahrer, so dass die Veranstaltung bald zu den besten Europas gehörte. Von Jahr zu Jahr stieg die Zuschauerzahl an und die Renntage gerieten mitunter zu wahren Volksfesten. Nach 1927 durfte die Strecke aus Sicherheitsgründen nicht mehr von Automobilen befahren werden und bis 1937 fanden nur noch Motorradrennen statt. 1931 wurde die Streckenlänge auf 19 km verkürzt und 1935 ein neuer 11 km langer Rundkurs abseits von Schloss Solitude durch das Mahdental gefunden, der später der klassische Solitude-Ring der Nachkriegszeit werden sollte.

Zwischen den Kriegen

Zwischen den beiden Kriegen wurde das Solitude-Rennen zu einer international renommierten Motorsportveranstaltung. 1922 machte man zunächst weiter auf der bekannten Bergstrecke zwischen Heslach und dem Schloss Solitude. Neben Motor- rädern starteten nun auch erstmals Automobile bis hin zu Grand Prix – Rennwagen. Daimler und Benz schickten damals noch getrennte Werksteams. Zur Fusion kam es erst 1926. In der Daimler Motoren Gesellschaft arbeitete ab 1923 Ferdinand Porsche als Leiter des Konstruktionsbüros. Unter seiner Führung entstanden dort sehr erfolgreiche GP-Rennwagen, die auch auf der Solitude zum Einsatz kamen. Ab 1925 wurde aus dem Solitude-Bergrennen ein riesiger Rundkurs mit über 22 Kilometern Länge, vergleichbar etwa dem Nürburgring, der zwei Jahre später entstand. „Rund um die Solitude“ nannten sich jetzt die jährlichen Rennen für Motorräder und Automobile. Bei den Motorrädern legte die junge Marke BMW auf der Solitude den Grundstein ihrer Erfolgsgeschichte. Die schon etablierte Marke NSU war mit ihren Zweirädern, aber auch mit Renn- und Tourenwagen, erfolgreich. Ab 1926 war das Solitude-Rennen ein Anziehungspunkt für die besten Rennfahrer Europas. Deutsche Helden, wie Ernst Henne, Karl Gall oder Paul Köppen bekamen hier plötzlich Konkurrenz von internationalen Stars, wie Joe Craig oder Tazio Nuvolari. Die Rennen wurden schon damals von Jahr zu Jahr schneller, was dazu führte, dass ab 1928 keine Automobilrennen mehr auf der Solitude stattfinden durften. Für Motorräder aber ging es weiter. 1931 verkürzte man den Rundkurs auf zirka 19 km und 1935 fand man schließlich den klassischen Solitude-Rundkurs mit 11,4 km Gesamtlänge, der am Glemseck auf 383 m Höhe gestartet wurde, dann steil bis zum Frauenkreuz auf 502 m anstieg, um dann gleichmäßig wieder abzufallen. Besondere Merkmale waren die 2,3 km lange Hochgeschwindigkeitsgerade zwischen Steinbachsee und Schatten, die Schatten-S-Kurven und das 3 km lange Kurvengeschlängel im Mahdental. Insgesamt hatte der anspruchsvolle Kurs 26 Links- und 19 Rechtskurven. Wer sich hier einmal durchsetzen konnte, brauchte sich um den Respekt seiner Gegner nicht mehr zu bemühen. 1937 fand das letzte Solitude-Rennen vor dem Kriege statt. Großartige Rennen hatte man bis dahin auf dieser hügeligen Naturrennstrecke erleben können. Und große Namen, wie Ted Mellors, Tom Bullus, Oskar Steinbach, H.P. Müller, Heiner Fleischmann, Stanley Woods oder Wilhelm Herz, gaben sich dort ein Stelldichein.

Die Fünfziger Jahre

Elf lange Jahre war Rennpause auf der Solitude. Das erste Nachkriegsrennen gab es 1949. Die Zuschauer strömten in Scharen. Automobile waren nun auch wieder zugelas- sen und so begann ein neues Kapitel der Solitude-Renntradition, das glanzvoller denn je werden sollte. Stars der ersten Stunde waren aber die Motorradfahrer mit TT-Sieger Georg Maier an der Spitze. Der ADAC als Ausrichter des deutschen Motorrad Grand Prix baute die Solitude kontinuierlich aus und ab 1952 bekam sie den Großen Preis von Deutschland. Unglaubliche Zuschauerzahlen von bis nahezu einer halben Million bevölkerten die Renntage der fünfziger Jahre. Zu dieser Zeit erklomm NSU den Gipfel des Motorradrennsports und holte mit Werner Haas, Rupert Hollaus und H.P. Müller insgesamt fünf Weltmeistertitel. Ab 1954 begann außerdem die Dominanz von BMW bei den Gespannrennen. Die WM-Läufe brachten alle berühmten Rennfahrer auf die Solitude, wie Geoff Duke, Umberto Masetti, Eric Oliver, Carlo Ubbiali, Bill Lomas, oder Reg Armstrong. Ab 1954 bekam der Motorsport auf der Solitude mit der Rallye Solitude noch eine weitere Komponente. Auf dem Solitude-Ring und in naher Umgebung wurde eine sportliche Prüfungsfahrt für Automobile ausgetragen, die bald fast ebenso populär war wie die Rennveranstaltung. Ab 1961 wurde die Rallye mit der französischen Lyon-Charbon- nières kombiniert und damit zu einer europäischen Topveranstaltung. 1967 zählte sie zur Europameisterschaft und bekam mehrmals das Prädikat Deutschland-Rallye.

Höhepunkt und Schlussakkord – die Sechziger Jahre

Formel-Rennwagen wurden zu Anfang der sechziger Jahre immer mehr zur Attraktion. Bei Porsche baute man zunächst Formel 2 – Rennwagen mit 1,5-Liter-Motoren. Rennidol Hans Herrmann fuhr einen 1960 auf der Solitude und wurde nur knapp von Graf Trips auf Ferrari geschlagen. 1961 kam erstmals die Formel 1 auf die Solitude, mit allen Stars und auch ein Porsche Werksteam war dabei. Im Jahr darauf kam Porsche mit einem neuen Achtzylinder und es gab einen Solitude-Doppelsieg mit Dan Gurney und Joakim Bonnier. Das Solitude-Rennen 1964 gilt als eine der besten Motorsportveranstaltungen aller Zeiten. Mit Motorradweltmeisterschaftsläufen in allen sechs Klassen und einem Formel 1 Grand Prix in Bestbesetzung bot dieser Renntag eine noch nie gekannte Qualität. Superstars vom Schlage Surtees, Clark, Brabham, Graham Hill, Hailwood, Redman, Read und Agostini gaben sich ein Stelldichein. Die Rekorde purzelten nur so bei den Motorrädern und bei den Rennwagen kam es zu einer kuriosen Regen-Hitzeschlacht. Im Jahr 1965 sollte die letzte Veranstaltung auf der Solitude stattfinden. Mit Motorradläufen, Sportwagen und Formel 2 verabschiedete sich der internationale Motorsport aus dem Stuttgarter Wildpark.

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